Rottame
Ein Kunstprojekt von 2023: Celluloseacetat-Reste aus der Brillenfertigung, heiss auf geborgenen Metallschrott geschmolzen. Einzelstücke — non-seating delights.
Über dieses Projekt
Rottame ist das italienische Wort für Schrott: gebrochene Stücke, der Rest von Dingen, die einmal etwas waren. Das Wort spricht sein Urteil gleich mit — was es benennt, ist fertig, wertlos, wartet aufs Einschmelzen. Dieses Projekt nimmt das Urteil zum Ausgangspunkt und fragt, ob die Sprache zu schnell entschieden hat.
Hier treffen zwei weggeworfene Materialien aufeinander. Metallgestelle — Stühle, eine Bank, der Schaft einer Leuchte — stammen von Deponien und Wertstoffhöfen der Umgebung. Celluloseacetat, das Polymer, aus dem gute Brillenfassungen gefertigt werden, kommt als Verschnitt aus den Brillenwerkstätten der Region Belluno: Material, das sich kaum wiederverwerten lässt, weil es dabei seine Farbe vollständig verliert. Im Heißschmelzverfahren legen sich die Acetatflocken auf das Metall — ein weggeworfenes Gerüst, überzogen mit einem zweiten weggeworfenen Stoff.
Was dabei entsteht, ist weder Möbel noch Skulptur. Die Objekte behalten den Umriss des Stuhls oder der Bank, die sie einmal waren, doch ihre Oberfläche ist etwas anderes geworden: dicht, leuchtend, gesprenkelt mit den Farben von tausend Brillenfassungen. Wir nennen sie non-seating delights — Einzelstücke, zum Ansehen gemacht und nicht zum Benutzen, und sie stellen dieselbe Frage wie das Wort. Wenn nichts entsteht und nichts vergeht, dann ist Schrott kein Endzustand. Er ist ein Moment in einer Verwandlung, die noch nicht zu Ende ist.
Non-seating delights
Vier Objekte sind entstanden: ein Klappstuhl, eine Bank, ein Spiegel und eine Stehleuchte. Jedes behält den Umriss des weggeworfenen Gestells, auf dem es aufgebaut wurde, und jedes trägt eine Lichtquelle, die aus der beschichteten Oberfläche etwas macht, das man ansieht statt sich daraufzusetzen.
Es sind Einzelstücke. Die Farben kommen aus dem Verschnitt, der in jener Woche gerade da war — dasselbe Stück liesse sich kein zweites Mal bauen, selbst wenn wir wollten. Genau darum geht es.